Eine grüne Topfpflanze und eine Gießkanne aus Messing vor dunkelblauem Hintergrund mit Fensterschatten

Kreatin und Depression: Was die Forschung zeigt

5 Min. Lesezeit

Hilft Kreatin gegen Depressionen? Das ist nicht belegt. Kreatin und Depression ist ein Forschungsthema mit einzelnen interessanten Befunden, aber Kreatin ist kein Mittel gegen Depressionen und ersetzt keine Behandlung.

Seit einigen Wochen kursieren Schlagzeilen wie „Kreatin hilft Frauen aus der Depression“. Uns haben daraufhin mehrere Nachrichten erreicht: Stimmt das? Sollte ich es mal versuchen? Kann ich es zu meinen Tabletten nehmen? Weil das Thema so ernst ist, ordnen wir hier genau ein, was hinter den Meldungen steckt und was nicht.

Wichtig vorab: Wenn es dir gerade schlecht geht, sprich bitte mit deiner Hausärztin, einer Psychotherapeutin oder ruf die TelefonSeelsorge an: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenfrei und rund um die Uhr. In Österreich erreichst du sie unter 142. Im Notfall wähle 112.

Was steckt hinter den aktuellen Schlagzeilen?

Die Meldungen beziehen sich auf eine Übersichtsarbeit von Fares und Kollegen, die im Juni 2026 in der Fachzeitschrift Brain Medicine erschienen ist. Das Team hat fünf kleine randomisierte Studien mit zusammen 238 Teilnehmenden ausgewertet, überwiegend Frauen. Zwei Studien fanden einen Vorteil, drei fanden keinen. Die Autoren selbst fassen es so zusammen: Das Signal ist interessant, aber noch kein Urteil. Ob Kreatin depressive Beschwerden lindert, lasse sich bislang nicht verlässlich sagen.

Was haben die Studien zu Kreatin und Depression untersucht?

In keiner der Studien wurde Kreatin allein gegen eine Depression eingesetzt. Kreatin kam immer zusätzlich zu einer laufenden Behandlung dazu, und die Teilnehmenden waren ärztlich betreut.

  • Die meistzitierte Studie stammt von Lyoo und Kollegen (2012, American Journal of Psychiatry). 52 Frauen mit einer Major Depression, also einer ausgeprägten depressiven Erkrankung, bekamen acht Wochen lang das Antidepressivum Escitalopram, dazu entweder 5 g Kreatin oder ein Placebo. In der Kreatin-Gruppe gingen die Werte auf der Depressionsskala stärker zurück. Die Autoren betonten damals, dass das Ergebnis wiederholt werden muss.
  • Eine Pilotstudie aus Indien (Sherpa et al. 2025, European Neuropsychopharmacology) kombinierte Kreatin mit einer kurzen Verhaltenstherapie. Auch hier schnitt die Kreatin-Gruppe besser ab. Allerdings brachen rund 40 Prozent der 100 Teilnehmenden die Studie ab, und die Autoren werten ihr Ergebnis ausdrücklich nur als Anlass für weitere Forschung.
  • Bei Menschen, deren Depression auf Medikamente nicht angesprochen hatte, und in einer Studie mit jugendlichen Mädchen zeigte sich kein Unterschied zu Placebo.

Zur Einordnung gehört auch: Alle Studien liefen höchstens acht Wochen, Daten zur Langzeitwirkung fehlen, und mehrere Studien haben laut Übersichtsarbeit methodische Schwächen.

Warum Kreatin im Gehirn überhaupt eine Rolle spielt

Das Gehirn verbraucht rund ein Fünftel der Energie des Körpers, obwohl es nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht. Nervenzellen nutzen wie Muskelzellen Phosphokreatin als schnellen Energiepuffer. Bildgebende Untersuchungen haben bei manchen Menschen mit Depression veränderte Werte im Energiestoffwechsel des Gehirns gefunden. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis für eine Ursache, und daraus folgt nicht, dass zusätzliches Kreatin etwas an einer Depression ändert.

Warum die Befunde vor allem Frauen betreffen

Dass die positiven Ergebnisse aus Studien mit Frauen stammen, liegt zunächst schlicht daran, dass vor allem Frauen untersucht wurden. Tierversuche deuten zwar auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin, beim Menschen ist das aber eine offene Hypothese. Aus den vorliegenden Daten lässt sich nicht ableiten, dass Kreatin bei Frauen eine besondere Wirkung auf die Psyche hat.

Depression in der Lebensmitte: ein unterschätztes Thema

Für Frauen zwischen 35 und 55 ist das Thema besonders relevant. Große Langzeitstudien wie die amerikanische SWAN-Studie zeigen, dass das Risiko für depressive Beschwerden in der Perimenopause steigt, auch bei Frauen, die vorher nie betroffen waren. Schlafprobleme, Erschöpfung und Stimmungstiefs werden in dieser Phase oft als „normal“ abgetan. Wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten, gehören sie ärztlich abgeklärt, denn Depressionen in dieser Lebensphase lassen sich gut behandeln. Was hormonell in diesen Jahren passiert, erklären wir in Kreatin in der Perimenopause.

Sollte ich bei einer Depression Kreatin nehmen?

Nicht auf eigene Faust. Wer in Behandlung ist und sich für Kreatin interessiert, sollte das mit der behandelnden Ärztin besprechen. Bei einer bipolaren Erkrankung ist besondere Vorsicht geboten: In einer der Studien entwickelten zwei Teilnehmende unter Kreatin eine Hypomanie oder Manie. Und auf keinen Fall sollte Kreatin ein Antidepressivum oder eine Therapie ersetzen.

Wir sagen das so deutlich, obwohl wir Kreatin verkaufen. Kreatin-Monohydrat ist gut untersucht und für gesunde Erwachsene in üblichen Mengen sicher. Ein Mittel gegen Depressionen ist es nach heutigem Wissen nicht, und so stellen wir es auch nicht dar.

Was für Kreatin zugelassen ist

In der EU gilt für Kreatin diese Angabe: „Kreatin erhöht die körperliche Leistung bei Schnellkrafttraining im Rahmen kurzzeitiger intensiver körperlicher Betätigung.“¹ Für Stimmung, Psyche oder Gehirnfunktion gibt es keine zugelassene Angabe. Die EFSA hat einen beantragten Claim zu Kreatin und kognitiver Funktion 2024 geprüft und nicht zugelassen.

¹ Zugelassene gesundheitsbezogene Angabe (VO (EU) Nr. 432/2012). Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von mindestens 3 g Kreatin ein und gilt für Erwachsene, die intensiver körperlicher Betätigung nachgehen.

Häufige Fragen

Hilft Kreatin gegen Depressionen? Das ist nicht belegt. Einzelne kleine Studien fanden einen Vorteil, wenn Kreatin zusätzlich zu einer Behandlung gegeben wurde, andere fanden keinen. Kreatin ist kein Mittel gegen Depressionen.

Kann ich Kreatin zusammen mit Antidepressiva nehmen? In der Studie mit Escitalopram traten unter Kreatin nicht mehr Nebenwirkungen auf als unter Placebo. Besprich es trotzdem vorher mit deiner Ärztin, vor allem bei einer bipolaren Erkrankung.

Kann Kreatin ein Antidepressivum ersetzen? Nein. In allen Studien kam Kreatin nur zusätzlich zu einer ärztlich begleiteten Behandlung zum Einsatz. Setze Medikamente nie ohne Rücksprache ab.

Wo finde ich schnell Hilfe? Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Das Info-Telefon Depression der Deutschen Depressionshilfe erreichst du unter 0800 33 44 533. Im Notfall wähle 112.

Weiterlesen: Kreatin für Frauen: der Überblick · Kreatin in der Perimenopause · Kreatin in den Wechseljahren

Zurück zum Blog